Öffentliche Verwaltung ist der am häufigsten angegriffene Sektor in Europa. Während Bund und Länder oft über eigene IT-Sicherheitsteams verfügen, kämpfen viele Kommunen mit begrenzten Ressourcen: zu wenig Budget, zu wenig spezialisiertes Personal, zu viele Altsysteme. Genau in dieses Spannungsfeld hinein hat die Stadt Wuppertal einen bemerkenswerten Schritt gemacht.
Eine Software aus dem Gesundheitsamt, für das Gesundheitsamt
VEO, kurz für „Verwaltung Elektronisch Organisiert“, ist eine Fallmanagementlösung, die das Wuppertaler Gesundheitsamt gemeinsam mit dem Amt für Digitalisierung selbst entwickelt hat. Sie bildet zentrale Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes digital ab: die Auswertung von Wasserproben, die Nachverfolgung meldepflichtiger Infektionskrankheiten sowie wiederkehrende Verwaltungsvorgänge wie Dokumentenablage und Wiedervorlage.
Für rund 400 Pflegeheime und andere medizinische Einrichtungen in der Stadt bedeutet das konkret: Hygienenachweise laufen heute vollständig digital, statt gedruckt und postalisch oder per Mail eingereicht zu werden. . Eingehende Meldungen werden automatisch dem passenden Vorgang zugewiesen. Als nächster Ausbauschritt ist die Integration der Trinkwasserüberwachung geplant. Die von SRC durchgeführte Evaluierung bestätigte die Wirksamkeit der Sicherheitsmaßnahmen des Produktes.
Freiwillig zertifiziert – mit Ergebnis
Was VEO besonders macht, ist nicht nur die Eigenentwicklung, sondern der Weg, den die Stadt danach gegangen ist: Sie hat sich freiwillig einer Beschleunigten Sicherheitszertifizierung (BSZ) durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterzogen. Die BSZ ist ein vergleichsweise schlankes Zertifizierungsverfahren, entwickelt, um Herstellern einen planbaren Aufwand zu ermöglichen, ohne dabei an Prüftiefe zu verlieren.
SRC hat als Prüfstelle die Evaluierung übernommen und dabei in gezielten Penetrationstests genau die Szenarien nachgestellt, die bei einem System mit sensiblen Gesundheitsdaten am meisten zählen: Lässt sich die Nutzeranmeldung umgehen? Sind die Anmeldedaten wirklich geschützt? Gibt es Wege zu unberechtigtem Zugriff? Genau an diesen Stellen musste VEO seine Widerstandsfähigkeit beweisen.
Anfang Juli 2026 nahm die Stadt Wuppertal das fertige Zertifikat im Rathaus entgegen. Sie ist damit die erste Kommune bundesweit, die eine BSZ vollständig abgeschlossen hat.
Warum das über Wuppertal hinaus relevant ist
Für andere Kommunen ist dieses Beispiel aus zwei Gründen interessant. Erstens zeigt es, dass auch kommunale Eigenentwicklungen – nicht nur Standardsoftware großer Hersteller – zertifizierbar sind, und dass sich dieser Aufwand lohnt: Er schafft Vertrauen bei Bürgerinnen und Bürgern und bei den eigenen Mitarbeitenden. Zweitens macht die BSZ als Verfahren genau das möglich, was Kommunen oft fehlt: einen planbaren, zeitlich begrenzten Prüfprozess, der nicht die Ressourcen einer vollständigen Common-Criteria-Zertifizierung verlangt.
Ein Teil der VEO-Entwicklung wurde übrigens über EU-Fördergelder sowie Mittel des Bundesgesundheitsministeriums getragen, mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Millionen Euro. Ein Hinweis darauf, dass auch für Kommunen mit begrenztem eigenen Budget Wege zur sicheren Digitalisierung offenstehen.
SRC gratuliert der Stadt Wuppertal zu diesem wichtigen Schritt und bedankt sich beim BSI für die vertrauensvolle Zusammenarbeit während des gesamten Verfahrens.
Copyright Bildmaterial: Assunta Jaeger.









